Laudatio
Resch Karl - 2017
Sehr geehrte Damen und Herrn, lieber Karl!
Lasst mich mit einer Preisfrage beginnen (wer die richtige Antwort
errät, darf unserem Preisträger ein Achterl spendieren):
Also, wir schreiben das Jahr 1965.
– Was passiert, wenn vier junge Männer beschließen, gemeinsam eine Woche
Urlaub in Caorle zu machen? ...
Ich sag’s Ihnen lieber gleich, denn sie werden sowieso nicht draufkommen
... :
Es wird nichts draus, weil nämlich einer dieser jungen Herrn eine Woche
vorher im Schaufenster einer Drogerie eine Filmkamera erblickt und sich
diese mit seinem Urlaubsgeld gekauft hat, anstatt mit seinen Freunden
Urlaub zu machen. Eine kluge Entscheidung, ist man versucht zu sagen. –
War es aber zu diesem Zeitpunkt scheinbar doch nicht, weil er nach
einigen Filmversuchen wieder reumütig zur Fotografie zurückgekehrt ist.
Dieser junge Mann war, wie Sie sicher schon erraten haben, unser Karl
Resch.
Doch - „kommt Zeit, kommt Film“ ... In den nächsten Jahren hat er es
trotzdem immer wieder versucht; der übliche Weg, zuerst Familienfilme,
dann auch schon Naturfilme. Nur wollte niemand seine Filme sehen, das
hat ihn sehr verwundert, wundert ihn aber heute nicht mehr. 1974,
Super-8 Filmpräsentation der Fa. Bolex im Volksheim Zeltweg. Karl Resch
war beeindruckt. So schöne Bilder auf großer Leinwand, das hatte er
nicht für möglich gehalten. Also musste eine bessere Kamera her, er
wurde Mitglied im Filmklub Aichfeld und hat mit einem
Advent-/Familienfilm auch gleich beim nächsten Regionalwettbewerb
teilgenommen. – Achtbares Ergebnis, eine Anerkennung. Er hat sich
gefreut, die werten Klubkollegen haben dies aber mit „ ... ah, nur
Papier ...“ abgetan. – Enorm motivierend!
Da möchte ich aber schon einfügen, dass es zur damaligen Zeit enorm
schwierig war, eine Medaille zu erringen. Die Jurien waren viel strenger
als heutzutage, es waren ausgefallene Themen oder professionelle
Qualitäten gefragt. Als familienfilmender Neuling hatte man da kaum eine
Chance. Karl Resch hat dann das Genre gewechselt und ist Naturfilmer
geworden. Außerdem hat er in den nächsten Jahren alle erreichbaren
Festivals besucht, um sich dort etwas abzuschauen. Die Erfolgsbilanz
blieb trotzdem eher mäßig. Also hat er versucht, es den „Großen“
gleichzutun und ist auf 16mm umgestiegen, inklusive toller Optik etc.
Die Ergebnisse wurden dadurch aber nicht besser, oder, um ihn selbst zu
zitieren: „ ... hilft alles nichts, wenn der Film nicht gut ist ...“.
Kurz nach der Jahrtausendwende musste Karl Resch eine
Formatentscheidung treffen: Umsteigen oder aufhören – der Preis für eine
30m-Rolle 16er-Film ist von ursprünglich 350,- Schilling auf fast
1.300,- Schilling gestiegen. Als kerniger Steirer hört Karl natürlich
nicht auf, sondern steigt auf Digital-Video um. Aber etwas noch viel
Gravierenderes passiert:
Es kommt zu einer Herzoperation und einer radikalen Umstellung des
Lebenswandels. War früher die Freizeit von Golf, Skilauf und dann erst
von Film geprägt, wird jetzt Golf gestrichen, Schilauf auf Schönwetter
reduziert und Filmen wird zum Schwerpunkt. Das tut dem Karl gut und das
tut seinen Filmen gut. Er wird auf seinen ihm gesundheitlich auferlegten
Wanderungen zum filmisch intensiven Naturbeobachter. „Schöne Bilder,
aber leider nur aneinandergereiht“ – von solchen Jurorenstatements hat
er gelernt, und vom Filmschauen.
Scheinbar ist ihm filmisch „der Knopf aufgegangen“, denn auf einmal
beginnt es zu laufen; 5 Landesmeistertitel in 9 Jahren:
2005 mit „Wo Krabbenspinnen jagen“,
2006 mit „Immer auf der Hut“,
2007 mit „Romanzen auf Blüten“,
2010 mit „Walderleben“,
2014 mit „Die Stimme des Waldes“.
Das schlägt sich natürlich auch auf seine Staatsmeisterschaftsbilanz
nieder:
vier mal Gold, drei mal Silber, 6 Sonderpreise – und auch seine
internationale Bilanz kann sich sehen lassen.
Wie wir anschließend aus seinen Filmausschnitten ersehen werden, verfügt
Karl Resch nicht nur über fotografisches handwerkliches Können, sondern
auch über die Gabe der künstlerischen Montage. Gerade die ist es, die im
Endeffekt einen guten Film ausmacht. Und – unser Karl ist ein kreativer,
akribischer Tüftler. Und das sieht und hört man. Womit ich noch auf die
akustische Gestaltung seiner Filme hinweisen möchte:
Ähnlich wie Sonja Steger ist Karl Resch ein Meister der künstlichen, mit
vielen Tricks hinterher angelegten Atmo, die wir Zuschauer mit Vergnügen
als „Originalgeräusche“ annehmen. Ich denke da zum Beispiel an
„Walderleben“, wo er uns Raupenschmatzen und Ameisengetrappel vorsetzt
und wir das, ohne nachzudenken als „Natur pur“ schlucken. Das ist Film
pur und Film ist nun einmal Imagination. Um noch einmal Karl Resch zu
zitieren: „Natur kann man nicht planen, man muss sie erlebbar machen,
eine Geschichte erzählen ...“
In diesem Sinne wünschen wir uns vom Geschichtenerzähler Karl Resch noch einige Naturfilme mit Säure verspritzenden und trappelnden Ameisen und schmatzenden Raupen ... !
Herzlichen Glückwunsch von uns allen und alles Gute!
Kufstein, am 17. Mai 2017 Peter Glatzl